Fundstücke

Der Gersweiler Feuerstahl (Typologie: Rygh 427)

Der in einem frühmittelalterlichen Herd bei Gersweiler gefundene Feuerstahl des Typs „Rygh 427“ ist ein alltäglicher, aber höchst aussagekräftiger Befund. Die Entdeckung innerhalb einer häuslichen Feuerstelle legt nahe, dass nordische Gruppen bei ihren Unternehmungen bestehende karolingische Siedlungsstrukturen für ihre Winterlager-Operationen umnutzten.

23.06.2026 • 8 Klicks • Exponat
Der Gersweiler Feuerstahl (Typologie: Rygh 427)

1. Fundumstände und stratigraphischer Kontext

Das Artefakt wurde an den Koordinaten 49.2322 Grad N, 6.9247 Grad E innerhalb einer frühmittelalterlichen Herdstruktur in Saarbrücken-Gersweiler entdeckt. Der Kontext „innerhalb eines Herdbodens“ ist archäologisch besonders wertvoll, da er eine direkte Nutzungsphase der Anlage durch die Personen belegt, die diesen Feuerstahl führten.

2. Typologische Beschreibung und Bedeutung

Es handelt sich um einen lyraförmigen Feuerstahl aus Eisen. Er besitzt dekorative, nach innen eingerollte Enden und einen aufgekohlten Schlagstab, der für eine hohe Funkenbildung beim Auftreffen auf Feuerstein optimiert wurde. Die Bauweise entspricht exakt der Klassifikation „Rygh 427“.

3. Historischer Bezugsrahmen und akademische Entsprechungen

Dieses Gebrauchs-Objekt korrespondiert mit den Profilen von Feuerstarter-Werkzeugen, wie sie im Wikinger Museum Haithabu katalogisiert sind. Die Anwesenheit eines solch spezifisch nordischen Werkzeugtyps innerhalb einer domestic-herz-Struktur unterstützt die Theorie, dass skandinavische Gruppen bei ihren Vorstößen bestehende karolingische Hütten besetzten und für ihre eigenen Lagerzwecke – insbesondere während der Überwinterung – adaptierten.