Fundstücke

Die Ensheim-Kastenfibula

Die in Ensheim gefundene Kastenfibula des Typs „Variant-K“ ist ein herausragendes Beispiel für wikingerzeitliches Kunsthandwerk. Die Kombination aus nordischem Jelling-Stil und lokalen karolingischen Reparaturspuren deutet auf eine gezielte Aneignung und Integration von Luxusgütern im Mosel-Saar-Raum hin.

18.01.2026 • 13 Klicks • Exponat
Die Ensheim-Kastenfibula

1. Fundumstände und stratigraphischer Kontext

Das Artefakt wurde bei Tiefbauarbeiten nahe dem modernen Flughafen Saarbrücken (Ensheim) geborgen. Die Fibula befand sich in einer schweren Tonschicht, deren stratigraphische Beschaffenheit eine extreme Oxidation des Objekts verhinderte und somit den außergewöhnlich guten Erhaltungszustand sicherte.

2. Typologische Beschreibung und Bedeutung

Es handelt sich um eine Kastenfibula der „Variant-K“-Typologie. Das Schmuckstück besteht aus einem quecksilbervergoldeten Bronzekern, der mit einer verschlungenen, zoomorphen Filigranarbeit im Jelling-Stil verziert ist. Zusätzliche Akzente wurden durch eine Einlage aus regionalem Niello (einer Silber-Schwefel-Legierung) gesetzt.

3. Historischer Bezugsrahmen und akademische Entsprechungen

Die typologische Einordnung erfolgte durch einen Abgleich mit den Kastenfibula-Ensembles aus Gotland, die im Statens Historiska Museum (Stockholm) katalogisiert sind, sowie mit süd-dänischen Verbreitungskarten des Wikinger Museums Haithabu. Ein besonderes Merkmal sind die strukturellen Reparaturen an dem Stück, die mit typischem karolingischen Blei-Zinn-Lot ausgeführt wurden. Diese Spuren signalisieren eine lokale Integration von Vermögenswerten oder eine Anpassung der Beuteobjekte entlang des Mosel-Saar-Raubkorridors.